Süchtig nach Newsfeeds

Wären wir ehrlich mit uns, würden denke ich die meisten zugeben, dass ihnen Facebook, Instagram, Twitter & Co. täglich mehr Zeit rauben, als es ihnen lieb ist. Dass die sozialen Medien uns teilweise schlimmer abhängig machen als chemische Drogen vom Berliner Kotti, haben wir fast alle schon irgendwann mal für uns festellen müssen. Ich habe heute erfahren, dass meine vagen Überlegungen, warum das so ist, nicht ganz richtig waren.

Warum macht es so viel Spaß, durch unsere Newsfeeds zu scrollen? Warum können wir locker mal eine Stunde am Stück in unserem Bett liegen und nichts tun, außer auf unserem Handybildschirm von unten nach oben zu wischen? Von Insta-Bild zu Insta-Bild, von Facebook-Post zu Facebook-Post. Obwohl 80% des Inhalts unserer Feeds uns nicht mal interessieren und wir einfach über ihn hinweg scrollen, ist es extrem befriedigend und macht sogar Spaß, stundenlang zu scrollen. Warum?

Klar, die Antwort ist Dopamin. Glückshormone sind bei sowas immer die Antwort. Wenn wir durch unsere Newsfeeds in 3 I/s (Instagrambilder pro Sekunde) wischen, wird massenhaft Dopamin ausgeschüttet und wir fühlen uns geil. Interessant ist, warum das so ist. Ich dachte bisher, dass es simpel die interessanten Artikel, schönen Bilder, einfach jeder tolle Post inmitten des Schwachsinns ist, der Spaß macht. Dass uns unser Gehirn jedes Mal belohnt, wenn wir etwas sehen, dass wir wirklich gut finden. Wir finden diesen Post ja interessant, schön, oder was auch immer, wenn wir da dann drauf klicken, darf das Gehirn sich schon mal freuen. Klang für mich logisch.

Nur ist es gar nicht das, was dafür sorgt, dass Dopamin in Flutwellen ausgeschüttet wird, während wir uns auf Facebook befinden. Es ist nicht das Klicken auf, bzw. das Sehen eines interessantes Posts. Stattdessen ist es tatsächlich die Suche nach einem Post der uns gefällt. Es ist die Erwartung daran, zwischen all dem Mist-Content in unserem Feed, der uns nicht interessiert, einen Beitrag zu sehen, den wir dann tatsächlich gerne sehen und auch kurz bei ihm verweilen. Irgendwie pervers, oder? Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Vorfreude auf Belohnung, das Wissen, dass da bald irgendwas Tolles kommen wird, dass genau das unser Gehirn mit Dopamin flutet, wie sonst kaum etwas. Es sind nicht die schönen Posts, die Newsfeeds spaßig machen, es ist die Vorfreude auf den eben diese schönen Posts, während wir an ganz viel Mist vorbei scrollen. Zu wissen, dass in der Zukunft eine Belohnung wartet, macht uns glücklicher, als die Belohnung selbst. Ich wusste das nicht.

Facebook & Co. wissen das aber, genau wie jeder noch so kleine Spiele- und App-Entwickler heutzutage. Das neue Handyspiel muss nicht mal gut sein, solang wir wissen, dass irgendwo später im Spiel und halbwegs regelmäßig Belohnungen auf uns warten werden, sind wir hooked, sind wir dopamin-geflutet. Der Content in unserem Instagram-Feed muss nicht mal gut sein, solang wir erwarten dass irgendeins der nächsten 20 Bilder schon lustig oder schön sein wird, scrollen wir weiter, weil unser Gehirn es uns in dem Moment als die belohnendste Sache der Welt verkauft.

Das Erwarten von Belohnungen flutet uns wesentlich mehr mit Dopamin, als die Belohnung selbst. Das erklärt, warum wir stundenlang hirnlos durch unsere Newsfeeds scrollen können und uns dabei gut fühlen, obwohl wir 80% der Posts gar nicht mal gut, oder interessant finden. Mir erscheint mein Facebook-Feed schon gar nicht mehr so reizvoll, jetzt wo ich weiß, warum ich mir das hirnlose Scrollen durch uninteressante Posts eigentlich stündlich antue. Und euch?

Gelesen hier.

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