Die schlechtesten Anmachsprüche der Welt II

Manchmal muss man Sachen tun, die man nicht tun will. Direkt nach Neujahr ins Fitnessstudio gehen, zum Beispiel. Wenn es dort so voll und gedrängt ist, wie um 2 Uhr in der Rosenau. Sich an die verdammte Hausarbeit setzen, obwohl man nach der letzten Folge „Black Mirror“ eigentlich zwei Wochen Psychotherapie nötig hätte. Bei Eiseskälte weiter beknackte Anmachsprüche am Weihnachtsmarkt ausprobieren, obwohl bisher jede Situation peinlicher als die vorherige war. Oh well, here we go.


„Hey, Entschuldigung, kennst du dich hier zufällig aus?“ „Ja, wieso? Suchst du was bestimmtes?“ „Ja, eigentlich schon. Könntest du mir den Weg zu deinem Herzen zeigen?“
Sie starrt mich an. Für bestimmt zehn Sekunden. Starrt einfach nur. Ich starre zurück. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich aus Scham vor dem Spruch zu undeutlich gesprochen habe, sie nicht versteht was ich von ihr möchte, oder sie einfach gerade überlegt, auf welcher meiner Wangen ein Handabdruck besser aussehen würde.

„… zu meinem Herzen, ja?“

„Äh, ja, sorry. Hätte ich die Wahl gehabt, hätte ich dich anders angesprochen. Ich bin Lukas, Hi!“

Wir schütteln uns wie zwei Geschäftsmänner die Hände, ich erfahre ihren Namen. Ich bin optimistisch gestimmt, biege auf die Zielgerade ein. Ich frage sie nach ihrer Nummer.

„Ähm, ja, die kannst du haben, wenn du möchtest. Aber bin ich nicht ein bisschen zu jung für dich?“

Jetzt bin ich es, der starrt. Das Mädchen sieht aus als wäre sie älter als ich, unter 20 kann die auf keinen Fall sein. Mir schwant böses.

„Ich bin 21, also eigentlich nicht? Wie alt bist du denn?“ „Ich bin gerade erst 17 geworden. Wie alt hast du mich denn geschätzt?“, fragt sie und lacht. Oh Gott. Älter, älter habe ich dich geschätzt. Wir reden noch kurz, bevor wir uns verabschieden. Auf die Nummer verzichte ich. Make-Up, Fluch und Segen für uns Männer.


Das Schlimme am kleinen Bayreuth ist, dass wir nun bestimmt schon die vierte Runde über den Weihnachtsmarkt drehen. Selbst durch die komplette Fußgängerzone und das Rotmaincenter sind wir schon gegangen, mein Süßkartoffel-Desaster hat dort statt gefunden. Ich habe den Eindruck, dass uns die Standbesitzer mittlerweile komisch angucken. Sie uns wieder erkennen. Gibts hier Securities, die gegen vorweihnachtliche Belästigung vorgehen? Ich werde paranoid.

Es dauert zehn Minuten, bis wir ein weiteres Mädchen treffen, das allein unterwegs ist. Nur ist sie sehr schnell unterwegs, hastet an uns vorbei. Mein Freund reagiert zu langsam, muss ihr fast hinterher joggen. „Hey du, ähm, hast du vielleicht ein Foto…“. Sie beschleunigt ihren Schritt. „… von dir dabei? Ich möchte dem Weihnachtsmann…“. Sie hält nicht an, hastet weiter Richtung ZOH. „… mit meinem Wunschzettel helfen!“. Sie dreht sich kurz um. Schaut ihn an, als ob er verrückt wäre. Bleibt aber nicht stehen. Das tut dafür unser Freund. Wirft uns einen verzweifelten Blick zu. Wir zucken mit den Schultern. Keine Bescherung für ihn heute. Feliz navidad, nur nicht den Kopf hängen lassen.


Unsere Freundin wirkt ziemlich selbstsicher, als sie nun an die Reihe kommt. Schnappt sich die Liste mit Sprüchen, studiert sie kurz, schaut auf, sieht einen Typ unseres Alters an uns vorbeilaufen, läuft los. Mein Kollege schaut ihr beeindruckt hinterher.

„Hi du, ich wollte dich eigentlich gerade anbaggern, aber ich habe meinen Bagger vergessen. Ich hab aber meinen Löffel dabei, darf ich dich auch anlöffeln?“, spricht unsere Freundin und grinst ihr Opfer an.

Der Typ regt sich nicht. Sagt auch nichts. Guckt nur. Wundert mich nicht. Ich wäre wohl auch erstmal sprachlos. So einen bescheuerten Spruch hab ich noch nie gehört. Also, bis heute.

„Bitte was?“

„Krieg ich vielleicht deine Handynummer?“

„Achso, äh, ja, klar. Die kannst du haben. Ist die 0171/35……“

Mein Kollege und ich schütteln nur den Kopf, fassungslos, ungläubig. Das muss die gerade jetzt vor Weihnachten besonders große Verzweiflung männlicher Singles sein, die Feiertage allein verbringen zu müssen. Oder unsere Freundin sieht einfach zu gut aus. Vermutlich ein Mix aus beidem. Fair ist das trotzdem nicht. Wir beschließen, uns erstmal Mandeln zu holen. Ganz ohne die Verkäuferin anzumachen.


Schöne Weihnachten, Freunde!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.