Yoga

Rocky HeronsSo heißt die schmale Gestalt auf dem breiten Bildschirm, für die ich mein heutiges Training für 30 Minuten unterbreche. Laut Kurs-Beschreibung trainieren wir inmitten der „Schönheit der Vasquez Rocks“. Ich mache Yoga. Zum ersten Mal. Rocky Herons Übungen sollen mich „beflügen und von innen heraus stärken“. Ich bin gespannt.

Es ist zugegebenermaßen nicht ganz das erste Mal, dass ich Yoga ausprobiere. Ich habe die Beweglichkeit bitter nötig. Deshalb habe ich mich vor gut einem Jahr bereits an diversen YouTube-Anleitungen versucht. Nach spätestens zehn Minuten hatte es aber jedes Video geschafft, mir Schweißperlen auf die Stirn zu treiben, mich mindestens viermal umfallen zu lassen und mir meine komplette Unbeweglichkeit aufzuzeigen. Ich hab dann immer frustriert aufgehört und auf YouTube stattdessen Gordon Ramsay zugesehen, wie er sehr schlechte Restaurants durch viele Schimpfwörter in weniger schlechte Restaurants verwandelt. Yoga soll schließlich auch der Entspannung dienen, und dabei konnte man dann doch ganz gut entspannen.
Heute probiere ich es erneut.

Wir sind zu zweit im Kurs. Zu dritt, wenn man die Grinsebacke auf dem Bildschirm mitzählt, die uns gerade mit einem gehauchten „Namaste!“ begrüßt. Ich muss sofort an den gleichnamigen Pizza-Lieferservice denken. Kein guter Start. Das Mädchen neben mir wirkt energiegeladen und für alles bereit. Ich dagegen habe schon eine Stunde Rückentraining hinter mir und erinnere mich just in diesem Moment außerdem daran, dass diese Veranstaltung als Fortgeschrittenenkurs ausgeschrieben war. Shit.

Ich will euch die Details des Trainings ersparen. Letztendlich sind wir sehr viele, sehr anstrengende Posen durchlaufen und haben unseren Körper in Einklang mit der Natur gebracht. Meine Mitstreiterin hat das alles mit Bravour gemeistert und dabei auch noch gut ausgesehen, während ich einmal umgefallen bin, mehrmals erschöpft Pause machen musste und für die meisten Posen viel zu verkürzt war. Es war verdammt anstrengend, aber das war mir zugegebenermaßen klar. Überrascht hat mich das Vorkommen diverser Elemente, die ich bereits vom Calisthenics kannte. Der Frosch-Stand und Stütz-Variationen waren daher auch die einzigen Übungen, die ich ohne Probleme bewältigen konnte. Der ganze Kurs lief außerdem unglaublich zackig ab. Der gute Rocky ist quasi von Pose zu Pose geflitzt und hat mir kaum Zeit zum bewussten Ein- und Ausatmen gelassen. Das sollte aber wohl entspannter werden, sobald ich die anspruchsvollen Figuren etwas kennengelernt und verinnerlicht habe.

Ich hatte schon immer Interesse an Yoga. Mir ist es wichtig, einen fitten, athletischen Körper zu haben. Dazu zählen für mich nicht nur Kraft, Ausdauer und eine ästhetische Optik, sondern eben auch Beweglichkeit. Nur gemacht hatte ich für Letztere bisher nichts. Haben die 30 Minuten Spaß gemacht? Nein. Aber das tun nur wenige Sachen beim ersten Mal. Fand ich die Körperbeherrschung des Kursleiters verdammt beeindruckend? Ja. Ich will das auch können. Wäre Yoga eine der gesündesten Aktivitäten für mich, die ich regelmäßig machen könnte? Ich hasse es zuzugeben, aber ja, das wäre es. Werde ich das Ganze nochmal machen? Nein. Ja! Denn habe ich mich danach besser gefühlt und hab ich Ziele gezeigt bekommen, die ich erreichen möchte? Ja, verdammt!

Dieser scheiß Fortgeschrittenenkurs hat nämlich etwas geschafft, was Yoga-Videos auf YouTube für Anfänger bisher nicht geschafft haben: Meinen Ehrgeiz zu wecken.
Außerdem würde ich hier etwas von komplett Null beginnen und bin richtig schlecht darin. Ich werde also schnell viele kleine Erfolgserlebnisse haben. Das wird sich gut anfühlen. Sowas motiviert mich. Generell, egal um was es geht. Und was bringt mir eine 120kg Kniebeuge, wenn ich mit meinen Handflächen nicht den Boden erreichen kann. Hörst du mich Rocky? Wir sehen uns übermorgen wieder. Bis dahin – Namaste!

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