Tag Null

Montag. Eigentlich darf ich mich nicht über Montage beschweren. Der Montag ist nur so schlimm wie ich ihn mache, ich bin schließlich Student. Noch dazu einer der sein erstes Studium abbricht und sich momentan nur noch Sachen anhört, die ihn wirklich interessieren. Jammern ist da unangebracht. Früher als meine beiden Vollzeit studierenden Mitbewohner muss ich trotzdem aufstehen. Irgendwas stimmt da nicht.

Bus fahren im Winter ist nicht cool. Das liegt vor allem daran, dass Jeder Bus fährt. Also jeder, der mitgenommen wird. Dadurch dass jeder Bus fährt, darf nämlich wiederum nicht jeder mitfahren. Das kleine Bus-1×1 – muss man wissen. Irgendwann nimmt mich aber doch ein Bus mit. Ich denke fast die ganze Fahrt über nach, was ich hier heute schreiben könnte. Mir fällt nicht besonders viel ein, es steigt Panik in mir hoch. 33 Tage lang etwas schreiben, habe ich mir vorgenommen, bis Weihnachten. Wie soll das denn bitte klappen. Wie soll ich jeden Tag irgendwas interessantes zu Papier Tastatur bringen, wo ich über ein Jahr lang gar nichts mehr geschrieben habe. Tief durchatmen, Lukas. Du hast dir das vorgenommen, für dich selbst, jetzt ziehst du es auch durch. Immerhin werde ich so gezwungen, jeden Tag etwas Neues, Interessantes zu machen. Der Gedanke gefällt mir.

Eine Vorlesung, ein Mittagessen und zwei Unterhaltungen später steh ich wieder in meiner WG. Ich schnapp mir das Longboard und rolle nach draußen. Das Longboard hab ich mir erst am Tag davor von einer Freundin geliehen. Ich bin seit über einem Jahr nicht mehr auf einem Brett gestanden, weiß aber noch, wie viel Spaß es mir damals gemacht hat. Also rolle ich jetzt wieder. Es ist Ende November, die Straßen sind nass, vor zwei Wochen gab es den ersten Schnee. Timing = erste vegane Sahne, einsame Spitze. Ich hab das auch irgendwie drauf. Vor einem Monat hab ich mir vorgenommen, wieder mehr Calisthenics an der frischen Luft zu trainieren. Nachdem mir beim dritten Training aber beinah die Hände an der eiskalten Klimmzugstange festgefroren wären, hab ich mich dann doch wieder ins warme Fitnessstudio zu den Hanteln verkrümelt. Bin gespannt was ich mir im Mai vornehmen werde. Wahrscheinlich Skispringen auszuprobieren, oder den größten Schneemann Bayreuths zu bauen. Super.

Die kleine Fahrt durch Bayreuth ist trotzdem spitze. Highlights sind die Blicke und Kommentare anderer Spaziergänger, wann immer es mich fast hinlegt. „Warum fahren Sie nicht lieber Fahrrad?! Mit zwei Rädern würden Sie besser klar kommen“, ruft mir ein älterer Herr hinterher, als ich dem davonflitzenden Board nachjage. Okay, ganz ruhig, Opa. Nicht jeder dürfte schon im Jugendalter 40 Tonnen schwere Panzer durchs verschneite Russland manövrieren.


Ich weiß noch nicht, was ich hier bis Weihnachten täglich schreiben werde. Letztendlich ist das nur eine Herausforderung an mich selbst, mal wieder kreativ zu werden und mich auszuprobieren. Ich werde versuchen, jeden Tag irgendetwas Neues zu machen, auf irgendeine Weise meine Komfortzone zu verlassen, mich einfach auszuprobieren. Schaff ich das, schreibe ich darüber. Schaff ich das nicht, wird es Gedichte, Texte über Bücher, oder schlechte Witze geben. Oder was mir sonst so durch den Kopf geht. Hauptsache originell. Hauptsache mir gefällt es. Und was hab ich zu verlieren. Wenn Schreiben wirklich so charakterbildend und lebensverbessernd ist, wie es einem die ganzen Life-Gurus und Autoren diverser Sachbücher weiß machen wollen, bin ich am Ende dieses Projekts voraussichtlich eine Mischung aus Warren Buffet und dem Dalai Lama. Das nenn ich Motivation.

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